Nachhaltigkeit wird zunehmend durch Kundenanforderungen, Lieferketten, Banken und Regulierung mitgeprägt. Gleichzeitig zeigen aktuelle Studien, dass die grösste Hürde für viele Unternehmen nicht der Wille ist, sondern die verfügbaren Ressourcen. Eine aktuelle Schweizer Untersuchung zu nachhaltigen Praktiken in KMU nennt finanzielle Mittel als häufigstes Hindernis; 60 % der befragten Unternehmen sehen darin die zentrale Barriere.
Das ist bemerkenswert, weil es den Alltag vieler KMU ziemlich genau beschreibt: Es fehlt nicht an Einsicht, sondern an Zeit, Budget und personellen Kapazitäten. Nachhaltigkeit muss deshalb so gestaltet werden, dass sie mit dem operativen Geschäft vereinbar bleibt. Wer sie als Zusatzbelastung aufzieht, wird sie im KMU kaum verankern können.
Warum sich das Thema trotzdem lohnt
Auch wenn Ressourcen knapp sind, lohnt sich nachhaltiges Handeln wirtschaftlich. Schweizer Unternehmen berichten laut Studie, dass sie Nachhaltigkeit vor allem mit Risikomanagement, langfristiger Wettbewerbsfähigkeit, Markenimage und Zugang zu nachhaltiger Finanzierung verbinden. Das zeigt: Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Kostenfaktor, sondern kann auch die Widerstandskraft des Unternehmens stärken.
Hinzu kommt, dass Druck von aussen zunimmt. Die FH Graubünden und das SECO zeigen, dass auch KMU indirekt von internationalen ESG-Anforderungen betroffen sind, etwa durch Kundenvorgaben, Audits oder zusätzliche Dokumentationspflichten. Rund 40 Prozent der KMU in der Studie sind direkt von entsprechenden Anforderungen betroffen oder spüren die Folgen über ihre Wertschöpfungskette. Wer jetzt pragmatisch aufbaut, erspart sich später teure Ad-hoc-Lösungen.
Wo KMU am besten ansetzen
Der Fehler vieler Betriebe ist, Nachhaltigkeit zu breit zu denken. Für KMU funktioniert ein anderer Ansatz besser: klein anfangen, klar priorisieren, messbar bleiben. Die aktuelle Schweizer KMU-Studie zeigt, dass zwar viele Unternehmen Nachhaltigkeitsmassnahmen bereits umsetzen, gleichzeitig aber administrative Belastung und andere dringende Themen häufig genannt werden.
Sinnvoll ist deshalb ein Fokus auf Massnahmen, die drei Kriterien erfüllen:
Sie kosten wenig oder amortisieren sich schnell.
Sie verbessern gleichzeitig Effizienz, Reputation oder Mitarbeiterbindung.
Sie sind intern leicht erklärbar und nach aussen glaubwürdig.
Dazu gehören zum Beispiel Energieeffizienz, Abfallreduktion, papierarme Prozesse, nachhaltige Beschaffung, gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen und klare Verantwortlichkeiten. Diese Massnahmen sind oft nicht spektakulär, aber genau deshalb im KMU so wirksam.
Ein realistischer Fahrplan
Anstatt ein umfangreiches Nachhaltigkeitsprogramm zu starten, sollten KMU mit einer kurzen Standortbestimmung beginnen. Welche Themen verursachen heute Kosten, Risiken oder Reibungsverluste? Wo gibt es bereits gute Ansätze? Und welche Massnahmen lassen sich ohne grosse Investitionen umsetzen?
Ein praktikabler Fahrplan kann so aussehen:
Ein Schwerpunkt wird gewählt, etwa Energie, Mobilität, Beschaffung oder Gesundheit.
Drei konkrete Massnahmen werden definiert.
Eine verantwortliche Person wird bestimmt.
Einfache Kennzahlen werden festgelegt, etwa Stromverbrauch, Fehlzeiten oder Materialeinsatz.
Nach sechs bis zwölf Monaten wird überprüft, was sich verbessert hat.
Dieser Ansatz ist deshalb sinnvoll, weil er Nachhaltigkeit an betriebliche Realität bindet. Er verhindert, dass das Thema als abstraktes Zusatzprojekt versandet. Und er sorgt dafür, dass die ersten Erfolge sichtbar werden.
Was externe Kommunikation leisten kann
Nachhaltigkeit entfaltet ihre Wirkung nicht nur intern, sondern auch nach aussen. Kunden, Bewerbende und Finanzierungspartner achten zunehmend darauf, ob ein Unternehmen nachvollziehbar und konsistent handelt. Der ESG Monitor Schweiz 2025 zeigt, dass Transparenz und Berichterstattung für die Reputation von Unternehmen immer wichtiger werden, auch wenn kleine und mittlere Unternehmen oft nicht direkt berichtspflichtig sind.
Für KMU heisst das nicht, einen grossen Nachhaltigkeitsbericht zu schreiben. Es reicht oft schon, die wichtigsten Massnahmen verständlich zu kommunizieren:
auf der Website,
im Stelleninserat,
im Jahresrückblick,
oder in Kundengesprächen.
Wichtig ist dabei, nicht mehr zu versprechen, als man tatsächlich leistet. Glaubwürdigkeit entsteht durch konkrete Beispiele, nicht durch grosse Begriffe.
Fazit
Nachhaltigkeit ist für KMU machbar, wenn sie pragmatisch gedacht wird. Die grösste Hürde ist meist nicht der Nutzen, sondern die Frage, wie Massnahmen mit knappen Ressourcen umsetzbar sind. Genau hier liegt der Hebel: Wer klein beginnt, klar priorisiert und Fortschritte sichtbar macht, kann mit überschaubarem Aufwand Wirkung erzielen.
Für KMU ist das doppelt interessant. Sie reduzieren nicht nur Risiken und Kosten, sondern stärken auch ihre Reputation gegenüber Kunden, Mitarbeitenden und Partnern. Nachhaltigkeit wird so nicht zur Pflichtübung, sondern zu einem realistischen Bestandteil unternehmerischer Qualität.
Quellenverzeichnis
Sustainability in Swiss SMEs: practices, ambitions and challenges, 2025–2026 survey, Cleantech Alps. cleantech-alps
FH Graubünden / SECO, Trotz Mehraufwand sehen Schweizer Unternehmen Chancen, 2025. fhgr
Hexem, Decarbonization and sustainability: SMEs tackle the transition, 2025. hexem
Die Volkswirtschaft, Das halten Schweizer KMU von Vorgaben zur Nachhaltigkeit, 2025. dievolkswirtschaft
IRF Reputation AG, ESG Monitor Switzerland 2025, 2025. irf-reputation
Bild: Canva