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Mitarbeitende gewinnen mit glaubwürdiger Nachhaltigkeit

10. April 2026 durch
Mitarbeitende gewinnen mit glaubwürdiger Nachhaltigkeit
tomschaepper Est., Schäpper Tom

Nachhaltigkeit wird für KMU zunehmend zu einem handfesten Faktor im Wettbewerb um Fachkräfte, Reputation und Zukunftsfähigkeit. Wer heute gute Mitarbeitende gewinnen und halten will, muss nicht nur über Lohn und Aufgaben sprechen, sondern auch darüber, wofür ein Unternehmen steht.

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist das eine Chance. Sie können oft nicht mit der Bekanntheit grosser Arbeitgeber mithalten, dafür aber mit Nähe, Verlässlichkeit und glaubwürdiger Haltung. Genau dort entfaltet Nachhaltigkeit ihre stärkste Wirkung: nicht als Werbeversprechen, sondern als gelebte Praxis im Alltag.

Der Arbeitsmarkt achtet genau

Bewerbende schauen heute genauer hin als noch vor wenigen Jahren. Sie prüfen nicht nur das Stelleninserat, sondern auch Website, Bewertungen, Social Media und den generellen Auftritt eines Unternehmens. Dabei spielt die Frage, ob ein Betrieb verantwortungsvoll handelt, eine immer grössere Rolle.

Eine aktuelle PwC-Studie zeigt, dass 68.6 % der Befragten die Umweltpolitik eines Unternehmens bei der Arbeitgeberwahl als wichtig einstufen. 75 % nennen den gesellschaftlichen Beitrag als relevant, 66.7 % achten auf Governance-Aspekte. Auch in der Schweiz ist dieser Trend sichtbar: Laut Michael Page würden 80 % der Jobsuchenden eher einen Arbeitgeber mit einer ESG-Politik wählen.

Die Botschaft ist klar: Nachhaltigkeit ist für viele Bewerbende kein „Nice-to-have“ mehr. Sie ist ein Teil der Arbeitgeberattraktivität geworden.

Glaubwürdigkeit schlägt Hochglanz

Für KMU ist dabei entscheidend, keine künstliche Nachhaltigkeitskulisse aufzubauen. Wer zu viel verspricht, aber intern wenig verändert, riskiert genau das Gegenteil von dem, was er erreichen will: Vertrauensverlust. Nachhaltigkeit wirkt nur dann reputationsstärkend, wenn sie im Betrieb sichtbar und nachvollziehbar ist.

Das beginnt bei einfachen Dingen. Wie wird mit Mitarbeitenden umgegangen? Wie klar sind Prozesse und Verantwortlichkeiten? Wie ernst nimmt die Führung Belastungen, Feedback und Entwicklung? Und was davon wird nach aussen sichtbar gemacht?

Eine Studie zu Sustainable Employer Branding zeigt, dass Authentizität und Konsistenz entscheidend sind, wenn Nachhaltigkeit als Arbeitgebermerkmal wirken soll. Wer glaubwürdig auftreten will, benötigt deshalb weniger Schlagworte und mehr belegbare Beispiele.

Gesundheit ist mehr als ein Benefit

Ein besonders wirksamer Hebel liegt im Bereich Mitarbeitendengesundheit. Sie gehört direkt zum sozialen Teil von ESG und ist für KMU oft schneller umsetzbar als viele andere Massnahmen. Gemeint sind nicht nur ergonomische Arbeitsplätze, sondern auch realistische Arbeitslasten, klare Zuständigkeiten, planbare Arbeitszeiten und eine Führung, die Belastungen ernst nimmt.

Die CIPD-Studie Health and wellbeing at work 2025 zeigt, dass Wohlbefinden in vielen Unternehmen inzwischen ein ernstes Thema auf der Managementagenda ist. 74 % der befragten Arbeitgeber geben an, dass das Management dem Wellbeing der Mitarbeitenden Priorität einräumt. Das ist kein Zufall. Denn wer gesund arbeitet, bleibt eher, ist motivierter und fällt seltener aus.

Für KMU ist das besonders relevant, weil die personellen Reserven oft begrenzt sind. Schon kleine Verbesserungen können spürbar wirken: regelmässige Teamgespräche, frühzeitiges Ansprechen von Überlastung, flexible Lösungen bei privaten Belastungen oder saubere Einführung neuer Mitarbeitender. Solche Massnahmen kosten wenig, haben aber einen grossen Effekt auf die Wahrnehmung als Arbeitgeber.

Was konkret funktioniert

Nachhaltigkeit muss im KMU nicht als Grossprojekt starten. Im Gegenteil: Je kleiner und klarer der Einstieg, desto grösser die Chance, dass er im Alltag wirklich umgesetzt wird. Sinnvoll ist es, ein Thema zu wählen, das im Betrieb tatsächlich relevant ist, und dort gezielt anzusetzen.

Das kann so aussehen:

  • Ein Schwerpunkt wird festgelegt, etwa Gesundheit, faire Arbeitsbedingungen oder nachhaltige Beschaffung.

  • Drei konkrete Massnahmen werden definiert.

  • Eine Person übernimmt die Verantwortung.

  • Einfache Kennzahlen werden beobachtet, etwa Fluktuation, Fehlzeiten oder Bewerbungszahlen.

  • Nach sechs bis zwölf Monaten wird ausgewertet, was sich verändert hat.

Dieser Ansatz ist realistisch, weil er nicht überfordert. Und er ist wirksam, weil er Nachhaltigkeit mit dem Alltag verbindet statt mit abstrakten Leitbildern.

Kommunikation macht den Unterschied

Noch immer unterschätzen viele Unternehmen, wie stark die Aussenkommunikation ihre Arbeitgeberattraktivität beeinflusst. Wer gute Massnahmen umsetzt, diese aber nicht sichtbar macht, verschenkt Wirkung. Wer sie hingegen klar, sachlich und glaubwürdig kommuniziert, stärkt seine Reputation.

Dafür braucht es keine aufwendige Kampagne. Oft reichen schon wenige, gut platzierte Elemente:

  • ein kurzer ESG- oder Nachhaltigkeitsbereich auf der Website,

  • ein glaubwürdiger Satz im Stelleninserat,

  • ein kurzer Jahresrückblick mit umgesetzten Massnahmen,

  • Einblicke in echte Verbesserungen statt allgemeiner Phrasen.

Wichtig ist, nicht zu glänzen, sondern zu belegen. Genau das schafft Vertrauen. Und Vertrauen ist im Wettbewerb um Fachkräfte oft entscheidender als ein grosser Werbeauftritt.

Der eigentliche Nutzen

Der Nutzen nachhaltigen Wirtschaftens liegt für KMU nicht nur im Umweltbereich. Er zeigt sich vor allem in drei Feldern: im Arbeitsmarkt, in der Organisation und in der Zukunftsfähigkeit.

Erstens: Nachhaltige Unternehmen wirken attraktiver auf Bewerbende. Studien belegen, dass ein klarer Nachhaltigkeitskurs die Bereitschaft erhöht, sich überhaupt zu bewerben.

Zweitens: Wer Gesundheit, Fairness und Verantwortlichkeit ernst nimmt, verbessert die Bindung bestehender Mitarbeitender. Das reduziert Fluktuation und stabilisiert Teams.

Drittens: Unternehmen, die ESG nicht nur deklarieren, sondern umsetzen, sind besser auf regulatorische, gesellschaftliche und marktseitige Anforderungen vorbereitet.

Gerade für KMU ist das wertvoll. Denn Zukunftsfähigkeit entsteht nicht allein durch Wachstum, sondern durch Stabilität, Vertrauen und Anpassungsfähigkeit.

Fazit

Nachhaltigkeit ist für KMU keine Imageübung. Sie ist ein konkreter Hebel für bessere Personalmarketing, stärkere Bindung und eine glaubwürdigere Aussenwirkung. Wer Verantwortung nicht nur behauptet, sondern im Alltag sichtbar macht, verbessert seine Position als Arbeitgeber spürbar.

Der Schlüssel liegt nicht in Perfektion, sondern in Konsequenz. Kleine, nachvollziehbare Schritte sind oft wirkungsvoller als grosse Versprechen. Genau darin liegt die Stärke einer glaubwürdigen Nachhaltigkeitsstrategie im KMU.

Quellenverzeichnis

StepStone Group, Study: Three out of four employees would be more likely to apply to a company with a sustainability agenda, 2024. thestepstonegroup

Michael Page Switzerland, 2022 Switzerland: ESG in the Workplace, publiziert 2025. michaelpage

PwC, Global Workforce ESG Preferences Study 2024. pwc

CIPD, Health and wellbeing at work 2025. cipd

Employee-Driven Branding for Sustainability, 2025. public.scnchub

Econstor, Employer branding: Sustainable HRM as a competitive advantage in the market for high-quality employees. econstor

IRF Reputation AG, ESG Reporting Monitor Switzerland 2025. irf-reputation

Paltron, Sustainable Employer Branding: Attracting Talent Through Purpose, 2025. paltron


Bild: Canva